Kreis Borken würdigt vorbildliche Denkmalpflege
Kreis Borken/Velen-Ramsdorf. Zeugnisse der Vergangenheit für die Zukunft bewahren: Das ist das Ziel von Denkmalpflege.
Beispielhafte Projekte aus dem Westmünsterland hat der Kreis Borken am Sonntag (9.9.), dem "Tag des offenen Denkmals", in der "Alten Molkerei" in Velen-Ramsdorf mit dem "Felix-Sümmermann-Preis" ausgezeichnet. Statt eines ersten, zweiten und dritten Preises vergab die Jury in diesem Jahr fünf gleichwertige Auszeichnungen.
Sie gingen an drei Besitzer von Jugendstilvillen in Gronau und zwei Initiativen aus Vreden und Ramsdorf.
Sonderpreise erhielten zudem Bewerber aus Borken, Gronau und Vreden.
14 Bewerbungen und Vorschlägen für den Preis waren beim Kreis Borken eingegangen.
Folgende Bewerbungen aus Gronau wurden ausgezeichnet: Die Rechtsanwälte Bierschenk, Hagemann und Kollegen aus Gronau haben eine Stadtvilla saniert und zu einem Bürogebäude umgenutzt. Karlheinz Busen aus Gronau restaurierte über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Hofanlage mit Brennerei. Und die Eheleute Bertine und Adrianus Hast aus Glanerburg steckten viel Herzblut in die Erneuerung eines Wohnhauses.
Ausgezeichnet wurden zudem der "Freundeskreis Barockkirche Zwillbrock e.V." in Kooperation mit der "Stichting Grenzen Verbinden" und eine Gruppe aus Ramsdorf. Unter der Leitung von Rudolf Hölter haben zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer die "Alte Molkerei" in Ramsdorf saniert.
Die fünf Preisträger erhielten jeweils 1000 Euro. Das Preisgeld stiftete bereits zum fünften Mal die Sparkasse Westmünsterland.
Landrat Dr. Zwicker gratulierte den Preisträgern und zeichnete sie unter anderem mit vom Vredener Künstler Walter Wittek gestalteten Plaketten aus. "Durch den Sümmermann-Preis erhält die Denkmalpflege im Kreis immer wieder neue Impulse und vermehrte Aufmerksamkeit", ist Zwicker überzeugt. "Die Einzelpersonen, Familien, Gruppierungen und Vereine, die sich in diesem Jahr beworben haben, sind echte Vorbilder für alle, die über die Restaurierung eines Denkmals nachdenken."
Der Bürgermeister der Stadt Velen, Dr. Christian Schulze Pellengahr, skizzierte in seinem Vortrag das Spannungsfeld zwischen Wunsch und Möglichkeiten, in dem sich kommunaler Denkmalschutz bewegt. Die Preisgelder überreichte Jürgen Büngeler, Vorstandsmitglied der Sparkasse Westmünsterland. Er bezeichnete den Denkmalschutz als identitätsstiftend: "Eine Region ist geprägt durch ihre Historie und gemeinsame Werte der Menschen. Das Wissen darüber wollen wir für die nächsten Generationen weitergeben, als stabile Grundlage für die weitere Entwicklung." Neben Landrat Dr. Kai Zwicker als Vorsitzendem und Jürgen Büngeler gehörten der Jury Vertreter der Kreistagsfraktionen, der Kreisheimatpflege, ein in der Denkmalpflege erfahrener Architekt sowie jeweils ein Vertreter der Städte und Gemeinden im Kreis Borken und des Denkmalamtes in Münster an. Für die Jury begründete Gabriele Podschadli vom LWL-Amt für Denkmalpflege die Preisvergabe.
Mit dem "Sonderpreis des Landrats", dotiert mit 150 Euro, wurden am Sonntag vier Initiativen ausgezeichnet. Mit ihm würdigte der Kreis großes ehrenamtliches Engagement im Bereich der Denkmalpflege.
Den Sonderpreis erhielten die Gärtnereigruppe von Haus Früchting in Vreden, der Heimatverein Gronau, die Interessengruppe Neumühlenkamp aus Borken-Gemen und die KLJB-Ortsgruppe Lünten.
Den musikalischen Rahmen für die Preisverleihung gestaltete das Saxophonquartett "Holzhaufen".
Zum Hintergrund: Felix-Sümmermann-Preis Der Felix-Sümmermann-Preis wird alle drei Jahre für Verdienste um die Denkmalpflege im Kreis Borken ausgelobt. Sein Namensgeber hatte sich als Landrat und späterer Oberkreisdirektor für den Wiederaufbau des Schlosses Ahaus engagiert und ihn trotz vieler anderer Probleme in der unmittelbaren Nachkriegszeit durchgesetzt. Der Felix-Sümmermann-Preis würdigt besondere Verdienste um die Rettung, Erhaltung, Restaurierung und Pflege von Denkmälern im Kreis Borken. Chancen auf den Preis haben auch Objekte und Projekte, die zwar nicht unmittelbar mit dem Denkmalschutz zu tun haben, ihn aber dennoch fördern. Deshalb kommen auch wissenschaftliche Arbeiten, touristische Projekte oder innovative Konzepte zur Nutzung von Denkmälern für den Preis in Frage, die allerdings immer Bezug zum Kreis Borken haben sollten.
Die Preisträger:
Rechtsanwälte Bierschenk, Hagemann & Kollegen aus Gronau: Sanierung des Baudenkmals "Wohn- und Geschäftshaus Eper Straße 18" in Gronau Das zweigeschossige Gebäude auf einem hohen Sockel wurde um 1900 erbaut, 1992 in die Denkmalliste der Stadt Gronau aufgenommen und 2008 von den neuen Eigentümern erworben. Sie sanierten das Gebäude, das als Wohnhaus genutzt worden war, und bauten es zu einem Bürogebäude um. Nach und nach zeigte sich, welche Bereicherung die Stadtvilla für das Gronauer Stadtbild darstellt.
Karlheinz Busen aus Gronau: Sanierung des Baudenkmals "Hofanlage mit Brennerei, Schwarzenbergstraße 200" in Gronau Die Hofanlage besteht aus einem Wohnhaus (erbaut um 1900) samt Wirtschaftstrakt und Stallanbau, einem langgestrecktem Stall mit Taubenturm und Querdurchfahrt sowie Restgebäuden einer Brennerei, die im frühen 19. Jahrhundert erbaut wurde. Im am Wohnhaus angebauten Turm befindet sich eine "Hauskapelle" im neogotischen Stil, die um 1900 errichtet wurde. Das Anwesen liegt am Ende einer alleeartigen Zufahrt mit altem Baumbestand. Die Hofanlage mit Brennerei wurde 1986 in die Denkmalliste der Stadt Gronau aufgenommen. Karlheinz Busen restaurierte die Gebäude nach und nach über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren.
Eheleute Bertine und Adrianus Hast aus Glanerburg für die Sanierung des Baudenkmals "Wohnhaus Konrad-Adenauer-Straße 28" in Gronau Das im Jahr 1900 erbaute, zweigeschossige Ziegelgebäude steht seit 1992 in der Denkmalliste der Stadt Gronau. 2008 kaufte das Ehepaar Hast das Haus und sanierte es nach und nach mit großem Aufwand. So wurden zum Beispiel einzelne Schmuckziegel rekonstruiert und nachgebrannt. Die originalen Schiebetüren mit den jugendstilmäßigen Glasfüllungen sind nach fachgerechter Wiederaufarbeitung wieder voll funktionsfähig. Zusätzlich restaurierten die Eigentümer unter anderem die überklebten Terrazzoböden, das originale Treppengeländer, sämtliche Innentüren, ein großes bleiverglaste Jugendstilfenster und lange verdeckte Stuckdecken mit Sonnenmotiven.

"Freundeskreis Barockkirche Zwillbrock e.V." in Kooperation mit der "Stichting Grenzen Verbinden" Die Barockkirche Zwillbrock ist als architektonisches Kleinod eines der beliebtesten Ausflugsziele im westlichen Münsterland direkt an der Grenze zu den Niederlanden. Um sie auf Dauer zu erhalten, gründeten religiös, geschichtlich und kulturell interessierten Personen im September 1994 den "Freundeskreis Barockkirche Zwillbrock". Seit Beginn gab es zahlreiche niederländische Mitglieder. Für diese wurde im Jahr 2010 speziell die "Stichting Grenzen Verbinden" ins Leben gerufen. Heute kommen ca. 90 der insgesamt über 350 Mitglieder aus den benachbarten Niederlanden. In der Satzung des Freundeskreises und der Stichting ist als Vereinszweck aufgeführt, den Erhalt und die Ausgestaltung der Barockkirche und des Klosters in Zwillbrock zu fördern. Zudem soll die Bedeutung dieses architektonischen Kunstwerkes der Allgemeinheit durch kulturelle Veranstaltungen, Vorträge, Besichtigungen und Führungen näher gebracht werden. Stellvertretend für den Freundeskreis und die Stichting wurde der Preis an Bruder Hubert Müller und Dr. Fritz Oostrik überreicht.
Gruppe der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unter der Leitung von Rudolf Hölter für das Projekt "Alte Molkerei" in Ramsdorf Im Jahr 1897 wurde das Gebäudeensemble als Molkerei und Dampfmühle erbaut. Der Molkereibetrieb wurde 1976 eingestellt, das Gebäude dann bis 1988 als Landhandel genutzt. Anschließend brachte die Gemeinde bis 1991 Asylbewerber in dem Gebäude unter. Danach stand es 15 Jahre lang leer und verfiel allmählich. Engagierte Bürgerinnen und Bürger weckten das Gebäude schließlich mit Unterstützung der Gemeinde und weiterer privater und öffentlicher Förderer aus seinem Dornröschenschlaf. Sie restaurierten es von 2007 bis 2010. Träger des Hauses ist die Stiftung "agri-cultura" als Bürgerstiftung für Velen und Ramsdorf. Die "Alte Molkerei" wird heute insbesondere durch Vereine und Verbände, die sich am Umbau beteiligt haben, als Kulturzentrum, als Haus der Vereine, als Musikschule und Tagungsstätte genutzt.
Sonderpreis des Landrates:
Gärtnereigruppe Haus Früchting, Vreden
Die Gärtnereigruppe der Werkstatt für Menschen mit Behinderung "Haus Früchting" in Vreden kümmert sich um erhaltenswerte Denkmale. Im Auftrag der Stadt Vreden pflegen die Beschäftigen der Gärtnerei die beiden jüdischen Friedhöfe im Stadtgebiet. Diese historischen Grabstätten sind Zeitzeugen der Vergangenheit und Mahnmale zugleich.
Heimatverein Gronau
Eine der wichtigsten Aufgaben des Heimatvereins Gronau ist die Sicherung und Bewahrung von historischer Substanz. Was unwiederbringlich zerstört ist, wird dabei durch Symbole ersetzt. So hat der Heimatverein in den vergangenen Jahren in der Stadtmitte von Gronau, umgeben von historischer denkmalgeschützter Substanz ein Ensemble aus rekonstruiertem Schlossplatztor, Kirchenportal und Gronauer Mühlen geschaffen.
Interessengruppe Neumühlenkamp in Borken-Gemen
Im Jahr 1984 errichteten die Bewohner der Neumühlenkampsiedlung in Borken-Gemen eine ca. vier Meter hohe Säule. Die sich nach oben verjüngende Säule erweist sich bei näherer Betrachtung als eine moderne, ungewöhnliche Form eines Bildstocks. Die Geschichte der Stele ist eng verknüpft mit der Geschichte dieses Wohnviertels. In den 1970er Jahren unter dem Namen "Friedlandsiedlung" gegründet, siedelten sich hier Familien aus den ehemaligen deutschen Gebieten im heutigen Polen an. 1981 entstand bei einer Reihe von ihnen die Idee zu dieser Stele. Man sammelte 15.000 DM und konnte damit das Projekt realisieren. Die hohe schlanke Form, von den Nachbarn auch "Meilensäule" genannt, symbolisiert die Entfernung zur alten Heimat in Ostpreußen und in Schlesien. Seit der Errichtung pflegt die Nachbarschaft die Säule und deren Umfeld. Auch die touristische Erschließung der Säule war und ist ein Anliegen.
Katholische Landjugendbewegung "KLJB" Lünten
Im Rahmen der sogenannten "72-Stunden-Aktion" im Jahr 2009 hat die KLJB ein schon fast vergessenes Kreuz, das am alten Standort keine Beachtung mehr fand, an einen attraktiveren Standort versetzt. Der Platz, der gemeinsam mit dem Heimatverein Lünten ausgewählt wurde, liegt unmittelbar neben der Kreisstraße 52, die direkt zum Dorfkern verläuft. An dem neuen Standort wurde ein kleiner Weg gepflastert. Zwei Sitzbänke laden zur Rast ein. Das Kreuz wird seither kontinuierlich gepflegt und mit frischen Blumen verschönert.

Bruder Hubert Müller und Dr. Fritz Oostrik (vorne 2. u. 3.v.r.) nahmen den Sümmermann-Preis für den Freundeskreis der Barockkirche Zwillbrock und die Stichting "Grenzen Verbinden" entgegen. Sonderpreise gingen an Haus Früchting und die KLJB Lünten.

Fünf Privatleute, Unternehmen und Initiativen erhielten den Felix-Sümmermann-Preis. Zusätzlich vergab die Jury um Landrat Dr. Kai Zwicker (vorne 2.v.l.) und Jürgen Büngeler, Vorstandsmitglied der Sparkasse Westmünsterland (r.), vier Sonderpreise.