Die Lüntske Geschichten

Dorfbrunnen: De Lüntske Löchte, in der Mitte des Brunnens ist Bennad, den Buurnknecht met de Lüntske Löchte dargestellt. Weitere Darstellungen zeigen einen Bauern mit Sichel und Strickhaaken (Mahdhaken), Säid un Spitt, einen Schmied am Amboss und eine Frau am Spinnrad. Sie stehen dafür, dass Landwirtschaft, Handwerk und Hauswerke wie Spinnen und Weben den Lebensunterhalt der Lüntener Bürger sicherten. Ein Frosch und ein Brachvogel sind als Symbol für die Tiere in der freien Natur gedacht, der Hahn steht stellvertretend für alle Haustiere auf dem Brunnen, der von dem Künstler Stirnberg aus Aachen entworfen und hergestellt wurde.

                                            

De Lünts'ke Löchte

 
Achter Ausen , kott bi Vrene , flack an de holländske Grense , dor ligg son klenn Dörpken : Lünten
Dat is nu use moje Örtken.
Wi wollt hier wat seggen,
üm U de Geschichte van de
Lüntske Löchte nöger to breggen.
Den Vrensken Pastor Trappehorn heff se 1901 upschräwwen,
un wi willt se hier nu to´n besten gäwwen.
Vör mest 100 Johr, in de Obendtied,
dor wott Kaplan Gehling Bescheed gebben,
he soll noch ne Versehgang övernehmen.
As he dann alls hat vollbracht,
moch he trügge in de düstre Nacht.
Bernhard, ne Burnknecht, de drög dat Lecht,
un den Wegg was erbärmlich schlecht.

Bernhard: Herrgott, wat is´t ne schmerigen Patt. Ik hebb all beide Beene natt.
Kaplan: Machs Du wa van diene Klumpen kürn? De Kas moin wer reinschürn, patt mien Rock de mutt hier örnlich lie´n. Dor bün ich moin nich mehr met fien.
Bernhard: Herr Kaplan, wat´n Malöör, nu geht us ock noch ut dat Föhr!
Kaplan: Nu steek doch de Löchte wer an, off kümp dor garkeen Ölli dran?
Bernhard: Ölli? De Löchte hebb ick man enfach metnommen, un dann is dor in den Iewer kinn Ölli upkommen.
Kaplan: Oh Bernhard, wo soll dat bloß gohne? Ohne Leucht un ohne Mohne!
Bernhard: Kaplan, makt U man kinne Sorgen, wi wocht enfach bes froh an´n Morgen.
Kaplan: Wi mütt patt wiedergohn, ich mutt moin froh wer up de Kanzel stohn.
Bernhard: Na, dann mutt ick den Wegg wa söken, hier dör de dichten Böken.
Kaplan: Nu fang ick all an to struckeln!
Bernhard: Dann kann ick U bloß roden, achter mi her to gohn.
Kaplan: Ick seh Di nich mehr! Du kas goot proten. Dann mutt ick mi man gamz up usse Herrgott verloten.
Bernhard: Dann reek ick U lever min Bucksenreem, üm U dormet huus hen to lehn. (Dorbi sackt de Buckse en Stück)
Kaplan: Dat Hemd! Dat Hemd! Dat Hemd dat löcht!
Bernhard: Dat löcht? Dann mutt ich mann min Mann stohn, un ohne Buckse vöruut gohn!
Kaplan: Bennätzken, dat brukt nich wärn, dat Hemd över Buckse, dat löcht all as´n Steern. Bernhard löpp voruut, un dat met Pleseer. Un Kaplan Gehling ging achter em her. Heel kemen nu alle beide recht bolle dör de Lüntske Heide. Siet düsse Tiet wett jeder Bescheed, wie die Geschichte van de Lüntske Löchte geht. 
                                                   (Dechant Dr. h. c. Anton Tappehorn) 

                                                                  

 

Die Lüntener Windmühle 

Der Kolonatsbesitzer Gerhard Wilhelm Grosse Rahe ( 1808 - 1871 ) legte im Jahre 1847 dem Amtmann Bernhard Rave einen Bauantrag vor , auf seinem "im Lüntenschen Kornfelde belegenden Grundstücke, Breen genannt, Flur 6 Nr. 376 eine Kornwindmühle mit zwei Mahlgängen zu erbauen." Vorgesehen war eine sogenannte "holländische Windmühle" oder Kappenwindmühle, wie die Bauzeichnung unten erkennen lässt. Für die Mauern sollten Bruchsteine, die damals in Lünten gewonnen wurden,verwendet werden, was dann auch geschah. Für die Bedachung waren "Schindeln" oder Schilf vorgesehen.

                        

Amtmann Bernhard Rave hatte von Seiten des Amtes Ammeloe gegen das Projekt nichts einzuwenden, zumal die erforderlichen Abstände zu den Nachbargrundstücken und öffentlichen Wegen eingehalten wurden. Er reichte die Unterlagen weiter und liess die Bauanzeige entsprechend § 29 der Gewerbeordnung vom 17. Januar 1845 in das Amtsblatt der Regierung Münster einrücken, was unter dem Datum des 9. Dezembers 1847 erfolgte.

Mit der weiteren Verfolgung des Projekts liess sich Grosse Rahe allerdings Zeit. Wie der Amtmann später schrieb, waren es die Ereignisse im Zusammenhang mit der 48er Revolution, die sich auch auf dem Lande bemerkbar machten und die Leute vorsichtig werden liess, wenn sie grössere Investitionen planten. Im Juli 1849 griff der Lüntner Zeller Grosse Rahe sein Projekt auf. Amtmann Rave schrieb damals nach Münster: ,...dass der Grosse Rahe bei den unruhigen Zeiten die Ausführung des Projektes hat ruhen lassen, jetzt aber bei der festeren Gestaltung der Verhältnisse auf Erteilung der erforderlichen Erlaubniss angetragen hat. Die baugenehmigung muss schnell eingetroffen, die Mühle noch schneller errichtet worden sein. Bereits im Oktober 1849 meldete Grosse Rahe sein Mühlengewerbe an, und am 12. Dezember des Jahres spricht Rave schon  "von der neu erbauten holländischen Windmühle".

In den Gewerbesteuerlisten wird als Lüntener Müller bis 1877 / 78 Wilhelm Große Rahe, der Sohn von Gerhard Wilhelm Große Rahe, und ab 1879 / 80 die Witwe Große Rahe erwähnt. Ab 1881 / 82 erscheind dann der Ammeloer Heinrich Huning, ein Schwager von Gerhard Große Rahe, als Mühlenpächter und schließlich als deren Besitzer. Dieser hat die Mühle bis zu seinem Tode am 15.03.1891 bedient. Zu Ende März 1891 wird dann von den Erben Huning das Mühlengewerbe abgemeldet, und zum 30. April 1891 meldete Heinrich Elling, mit vollem Namen Heinrich Hermann Elling (1866 - 1914) als Mühlenpächter aufgeführt, während als Eigentümer der Mühle der Ammeloer Johann Heinrich Huning genannt wird.

Wie die übrigen Müller im Vredener Land stellte auch Elling seinen Mühlenbetrieb nach der Jahrhundertwende auf  "alternative" Energie um. Am 5. März 1909 reichte er einen Antrag zur Aufstellung eines 12 PS Benzinmotors sowie zum Bau des erforderlichen Motorhauses ein, der genehmigt wurde. So erscheint ab 1909 in der Gewerbesteuerliste die "Wind- und Motormühle" des Heinrich Hermann Elling. Nach seinem Tode des Müllers im Jahre 1914 führte seine Witwe die Mühle weiter.

Die Ellingsche Mühle bestand bis nach dem Zweiten Weltkrieg, da wurde sie allerdings nicht mehr durch Windkraft angetrieben, sondern nur durch einen 15 PS Motor und stellte neben Feinmehl auch Bachschrot her. Im übrigen hatte diese von den 1947 im Vredener Land noch tätigen Mühlen mit ihren beiden Mahlgängen die größte Tageskapazität mit 12400 Kilogramm in 24 Stunden. Allerdings wurde damals auf der Mühle lediglich acht Stunden gearbeitet.

Die Einstellung des Mühlenbetriebes erfolgte zum 1. Juni 1956. Doch muß später noch einmal wieder gemahlen worden sein, da zum 1. Januar 1969 abermals die Einstellung des Mühlenbetriebes der Gemeindeverwaltung gemeldet wurde.Heute erinnert andiese Mühle in Lünten noch der erhaltene alte Mühlenstumpf, der als Wochenenddomizil dient und der neben dem Mühlenturm der ehenaligen Mühle des Schulzen Siehoff als einziger Zeuge  der Vredener Mühlengeschichte übrig geblieben ist.

Abb.: Die Lüntener Mühle heute.