„70 Jahre Soziale Marktwirtschaft – Made in Vreden“

Mit einer hochkarätigen Tagung am 28. Juni, zu der alle Interessenten eingeladen sind, soll das Jubiläum entsprechend gewürdigt werden. 

70 Jahre Soziale Marktwirtschaft und 50 Jahre Haus Früchting, diese beiden Jubiläen nehmen die Stadt Vreden und Haus Früchting zum Anlass, dies mit einer gemeinsamen Veranstaltung zu feiern.

„Nun weiß ich, wie es heißen muss“, ruft Professor Dr. Alfred Müller-Armack, während er die Treppenstufen im Herz-Jesu-Kloster hinunter eilt. „Sozial mit einem großen S.“
Bruder Gerhard erinnert sich noch genau an diese Worte, die ihm vom damaligen Rektor Schäfers mitgeteilt wurden. Er selbst habe Prof. Dr. Müller-Armack zweimal in Köln getroffen, berichtet Bruder Gerhard, als er im Herz-Jesu-Kloster auf die legendäre Treppe verweist.

 

Hier im Herz-Jesu-Kloster in Ellewick hatte Prof. Dr. Müller-Armack, als noch Krieg herrschte, über Marktwirtschaft nachgedacht und damit die Grundlage für die Wirtschaftsordnung im Nachkriegsdeutschland vorbereitet. Ein nicht ungefährliches Unterfangen, daher verbannte er seine schriftlichen Unterlagen in den Kriegsjahren wohl auch ganz unten in der Schublade. Anhand dieser Unterlagen erschien 1947 sein Werk „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“, mit dem er den Begriff der Sozialen Marktwirtschaft prägte und das als entscheidendes Werk für die theoretische Grundlage dieser Wirtschaftsordnung gilt.

 

„Wir hier in Vreden wissen, dass das Konzept im Kloster in Ellewick entwickelt wurde“, so Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch, an anderen Stellen erlebe man aber immer wieder ein verwundertes „Aha“ über diese sehr spannende Geschichte.
Für die Bundesrepublik Deutschland sei die Soziale Marktwirtschaft ein fundamentales Thema, etwas was die gesamte Entwicklung, zumindest der BRD, massiv geprägt habe.
 

Es ist zu spüren, dass dem Bürgermeister das Thema und auch die Tagung sehr am Herzen liegt, daher haben er und die weiteren Mitglieder des Arbeitskreises ein interessantes Programm zur Würdigung der Jubiläen erstellt.

 

Hermann-Josef Sönnekes, Heimleiter des Hauses Früchting, brachte seine Freude zum Ausdruck, dass die Jubiläen zusammenfallen. Als Soziale Einrichtung lebten sie davon, das die Wirtschaft die Einrichtung unterstütze und sie für die Wirtschaft tätig seien. Zu rund 70 verschiedenen Firmen bestünden Geschäftsbeziehungen. Das 50-jährige Jubiläum der Behinderteneinrichtung werde mit verschiedenen Veranstaltungen gefeiert. „Am 9. Juli findet unser Sommerfest statt, es wird mit einem Gottesdienst durch Bischof Felix Genn eröffnet.“ Zu dem Sommerfest seien Alle recht herzlich eingeladen.

 

Zur Person Professor Dr. Alfred Müller-Armack
Die Bronzetafel Am 28. Juni 1901 wurde Alfred August Arnold Müller in Essen geboren. Ab den 1920er Jahre nahm er den Geburtsnamen seiner Mutter hinzu, ab 1929 veröffentlichte er unter Müller-Armack. Seine berufliche Laufbahn begann Alfred Müller-Armack mit dem Studium der Nationalökonomie. 1923 promovierte er an der Universität Köln zum Dr. rer. pol. „mit Auszeichnung“. 1926 folgte die Habilitation für Wirtschaftliche Staatswissenschaften mit der Arbeit: „Ökonomische Theorie der Konjunkturpolitik“.

Mit 25 Jahren war Müller-Armack der jüngste Dozent in Köln, 1934 der damals jüngste außerordentliche Professor. An die Universität in Münster wechselte er 1938. Hier erhielt er 1940 einen Lehrstuhl für Nationalökonomie und Kultursoziologie, insbesondere Religionssoziologie, den er bis 1950 innehatte. 1940 übernahm er die Leitung einer Forschungsstelle für allgemeine und textile Marktwirtschaft in Münster. Im Krieg suchte die Forschungsstelle ein Ausweichquartier auf dem Lande.  Müller-Armack zog mit elf weiteren Personen am 24. Juni 1943 ins Herz-Jesu-Kloster in Ellewick ein.  

1950 kehrte er nach Köln zurück. 1952 beauftragte ihn Ludwig Erhard mit der Leitung der Grundsatzabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums, 1958 wurde er Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium mit besonderer Verantwortung für die Europäische Integration. Am 16. März 1978 starb er in Köln.

 

Tagung „70 Jahre Marktwirtschaft – Made in Vreden“

Am 28. Juni, dem Geburtstag von Prof.Dr. Müller-Armack organisieren Haus Früchting und die Stadt Vreden gemeinsam eine Tagung, die im Herz-Jesu-Kloster, Ellewick 14a, stattfindet. Die Konrad-Adenauer-Stiftung stellt digitalisierte Archivalien zur Verfügung.
Beginn ist um 8.30 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Es wird um Anmeldung gebeten.


Die Moderation übernimmt der gebürtige Vredener Journalist Dr. Claus Hecking. Im Jahr 2008 erhielt er für seien Reportage „Sozial muss es heißen!“ den Journalistenpreis Münsterland.

 

Das Programm ist in vier Themenbereiche aufgeteilt:

 

I. Geburt der Sozialen Marktwirtschaft
Der Vredener Dr. Volker Tschuschke referiert über „Vreden und die Soziale Marktwirtschaft – vom Weltkrieg zum Wirtschaftswunder“.
Anschließend wird Bruder Karsten-Johannes Kruse, stellvertretender Leiter der Brüdergemeinschaft der Canisianer über das Vredener Herz-Jesu-Kloster und das soziale Engegement auf christlicher Basis berichten.
Friedrich Aumann, ehemaliger wissenschaftlicher Mitarbeiter und Geschäftsführer der „Forschungsstelle für allgemeine und textile Marktwirtschaft“, stellt die Forschungsstelle im Kloster in den Jahren 1943 – 1949 vor.

 

II. Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft
Dr. Daniel Dietzfelbinger wird biografische Notizen zu Alfred Müller-Armack zum Thema „Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsstil“ vorstellen. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zu Müller-Armack, der Sozialen Marktwirtschaft und Wirtschaftsethik verfasst.

Dr. Franz Schoser – ausgewiesener Experte auf dem Gebiet - stellt Alfred Müller-Armack als Doktorvater vor. Dr. Astrid Klesse, Leiterin des Referats „Grundsatzfragen der Wirtschaftspolitik“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, berichtet über die Beziehung der Sozialen Marktwirtschaft zur aktuellen Wirtschaftspolitik.


III. Politische Bedeutung der Sozialen Marktwirtschaft
Über die Soziale Marktwirtschaft als programmatische Politikgrundlage und Wahlkampflokomotive berichtet Matthias Schäfer. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe „Soziale Marktwirtschaft“ bei der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Anschließend diskutieren verschiedene Politiker über die Zukunft „Soziale Marktwirtschaft – quo vadis?“ Zugesagt haben bereits MdL Hendrik Wüst von der CDU, MdEP Alexander Graf Lampsdorff von der FDP und MdL Horst Becker von den Grünen. Die weiteren Diskussionsteilnehmer werden in Kürze mitgeteilt.


IV. Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft
Dr. Markus Pieper, Mitglied des Europäischen Parlaments referiert über „Soziale Marktwirtschaft in der Europäischen Union.“ Kai Schlegelmilch, Vorsitzender des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, hält einen Vortrag zum Thema „Von der Sozialen Marktwirtsschaft zur Ökologisch –Sozialen Marktwirtschaft.“ Abschließend beschäftigt sich Heinz-Josef Kessmann mit „Das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft“. Er ist Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Münster.
 

 


Anmeldungen sind ab sofort per E-Mail an 70Jahre@... möglich. Ab Mai werden alle Informationen und Anmeldemöglichkeiten unter www.vreden.de veröffentlicht.

 

Bildunterschrift: Die Bronzetafel am Klostergebäude erinnert an den Aufenthalt Alfred Müller-Armacks in Ellewick
v.l. Karin Otto, Geschäftsführerin Vreden Stadtmarketing GmbH, Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch, Bruder Gerhard vom Herz-Jesu-Kloster, Hermann-Josef Sönnekes Heimleiter des Hauses Früchting und Matthias Plewa, Vorsitzender der Vredener Wirtschaftsvereinigung.